29. Dezember 2010

Mir passt es nicht. Nicht mehr, was ich hier schreibe. Es ist lang nicht mehr das, was dieser Blog einmal sein sollte. Ich schreibe schon lange nicht mehr, was ich möchte. Es ist lang nicht mehr das, was es einmal war. Zuviele Menschen wissen hiervon, zuviele Menschen lesen es. Vermutlich. Außerdem, meine Einstellung. Mein gesamtes Leben. Es passt uns nicht mehr. Vielleicht ein Abschluss. Zusammenfassung der gesammelten Erkenntnisse vergangener Jahre. Man geht nicht einfach, ohne irgendeinen Abschluss. Vielleicht, vielleicht liegt darin der Fehler der vergangenen Zeit.

Körperliche Selbstzerstörung des eigenen Körpers

Einmal, als kleines Mädchen. Da war ein Winter, in dem genausoviel Schnee lag. Meine Mutter hatte mich rausgeschickt, um zu spielen. Ich spielte. Mit meinem Leben. Legte mich in den Schnee, grub mich ein und sah, wie meine Finger rot wurden. Blau. Kalt. Und ich fragte mich, wie lang es denn nur noch dauern würde, bis ich endlich erfroren sei.
Einmal, als kleines Mädchen. Da stand ich an meinem Kinderzimmerfenster. Ich blickte hinaus. Hinab. Öffnete das Fenster, beugte mich weit hinaus und fragte mich, was denn wohl das Letzte sein sollte, das ich sage, bevor ich springen würde.
Einmal, als kleines Mädchen. Da bemerkte ich, dass es gar nicht so einfach war, sich umzubringen. Also beschloss ich, zumindest Teile von mir auszuschalten. Körperlich (und seelisch). Ich band mir einzelne Finger ab, bis sie dunkelviolett und taub wurden. Ich versuchte mir immer wieder die Knöchel zu brechen. Schlug darauf ein, bis sie grün und blau waren. Ich blieb `unabsichtlich` in Stacheldrähten und Dornenbüschen hängen. Ich fiel `unabsichtlich` mehrere Male von Klettergerüsten und verstauchte mir die Knochen.
Einmal, als jugendliches Mädchen. Da war es wieder soweit. Ich war älter geworden. Vielleicht auch erwachsener, um es nun endlich beenden zu können. Überlegungen, ob ich den Höhentod wählen sollte. Höhenangst. Nicht möglich. Überlegungen, ob ich den Zugtod wählen sollte. Keine anderen Personen miteinbeziehen. Nicht möglich. Überlegungen an Erstickungstod. Ich hielt die Luft an. Minutenlang. Nicht lang genug. Überlegungen an Tablettentod. Zu unsicher. Zu peinlich, sollte es nicht klappen. Überlegungen, die Pulsadern aufzuschneiden. Ich schnitt. Nicht ausreichend genug.
Einmal, als jugendliches Mädchen. Da bemerkte ich, dass es gar nicht so einfach war, sich umzubringen. Also beschloss ich, weitere Teile meines Körpers (und meiner Seele) auszuschalten. Ich begann zu trinken. Wöchentlich. Öffentlich. Heimlich. Bis ich kotzte. Bis mir die Nase blutete. Bis die Erinnerung verschwand. Ich begann mir die Haut aufzuschneiden. Wieder und wieder spaltete das Taschenmesser, welches mein Vater mir einst geschenkt hatte, meine Haut.
Einmal, als erwachsenes Mädchen. Da war es wieder soweit.

-Fortsetzung folgt- 

Seelische Selbstzerstörung fremder Körper
Seelische Selbstzerstörung fremder Psychen
Seelische Selbstzerstörung der eigenen Psyche

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